Gdynia in Polen – die junge Stadt am Meer

Mit einem rund einen Kilometer langen Geburtstagstisch will die an der Danziger Bucht gelegene Hafenstadt Gdynia (Gdingen) dieses Jahr ihren 100. Geburtstag feiern. Die Stadt ist jung, blickt aber auf eine bewegte Geschichte zurück. Das ganze Jahr über finden zahlreiche Veranstaltungen zu diesem Anlass statt.

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Eine Stadt als Vision

Gdynia, auf Deutsch Gdingen, bildet heute gemeinsam mit Gdańsk (Danzig) und Sopot (Zoppot) die berühmte „Dreistadt“ an der polnischen Ostsee. Die Danziger Bucht war schon immer ein beliebtes Ziel für Ostseeurlauber.

Doch vor gerade einmal gut 100 Jahren gab es hier kaum mehr als ein Fischerdorf. Im Jahr 1922 lebten nur 1.300 Menschen in Gdynia. Dann kam der große Plan: Die junge polnische Republik benötigte einen eigenen Zugang zur Ostsee, einen eigenen Hafen – unabhängig vom politisch komplizierten Danzig. Also setzte man auf Gdynia und begann, eine Stadt völlig neu zu denken.

Der Ingenieur Tadeusz Wenda erkannte das Potenzial dieses Küstenstreifens und begann 1920 mit dem Bau. In den 1920er und 30er Jahren wurde das einstige Fischerdorf innerhalb kürzester Zeit zur Großstadt mit Seehafen ausgebaut.

In weniger als zwei Jahrzehnten entstand eine moderne Hafenmetropole, eine komplett neue Stadt – modern, funktional, maritim gedacht. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten hier bereits 127.000 Menschen. Die bis heute erhaltene funktionalistische Architektur zeugt von dieser einzigartigen städtebaulichen Anstrengung. An das ursprüngliche Dorf erinnern nur noch wenige alte Fischerhäuser im Zentrum.

2026 feiert Gdynia Geburtstag

2026 feiert Gdynia genau dieses unglaubliche Wachstum: 100 Jahre Stadtrecht – mit Paraden, Events, einem kilometerlangen Geburtstagstisch bis zur Ostsee und einer spektakulären Drohnenshow über dem Strand.

Das ganze Jahr über finden zahlreiche Veranstaltungen rund um den runden Geburtstag statt. So stehen auch die Gdynia Sailing Days und das Święto Morza (Meeresfest) am 20. Juni im Zeichen des Jubiläums. Zudem erwarten Besucher zahlreiche Sport-, Kultur- und Mitmachaktionen.

Zu den Hauptfeierlichkeiten im August wird es neben dem Geburtstagstisch auch Aktivzonen im Zentralpark sowie eine spektakuläre Drohnenshow über dem Strand geben. Zum Jahrestag der Verleihung ihrer Stadtrechte gab es am 10. Februar 2026 bereits eine Feier mit 3D-Mapping an der Rathausfassade und großer Parade durch die Innenstadt.

Gdynias Modernismus – eine Stadt im Bauhaus-Modus

Gdynias größte Überraschung ist seine Architektur – ein Mekka für Architekturbegeisterte. Hier gibt es keine Altstadt im klassischen Sinn – die gesamte Innenstadt entstand in den 1920er- und 30er-Jahren – im Stil des Modernismus, stark vom Bauhaus geprägt.

Typisch sind dafür sind weiße Häuser, klare Linien, abgerundete Gebäude, runde Fenster wie Bullaugen, Balkone, die an Schiffsbrücken erinnern. Die Nähe zur See ist eben kein Zufall – viele Gebäude spiegeln maritime Formen, als würde die Stadt selbst ein Schiff und Teil des Hafens sein.

Stadtführerin Ewa Jaroszyńska, die auch ein Buch über Gdynia geschrieben hat, zeigt einige besondere Bauten wie das frühere Forschungsinstitut am Hafen , einem Bau von 1937 mit markantem Turm, oder das markante „Baumwollhaus“ und das Postgebäude an der ulica Świętojańska.

Besonders spannend ist der Bankowiec, ein Wohnhaus mit originalem Treppenhaus und einem kleinen sehr interessanten Museum mit Alltagsgegenständen aus dem Leben der früheren Hausbewohner.

Gdynia Bahnhof - ein Art Deco Schätzchen

Interessant ist übrigens auch der Bahnhof Gdynia Główna – von außen sachlich, innen überraschend dekorativ mit eindrucksvoller Deckenmalerei und Mosaiken – in den 50er-Jahren wurde er im Stil den Klassizismus mit Art Deco Elementen gebaut. Wenn man mit dem Zug anreist, ist der Bahnhof die erste Überraschung, wenn man ankommt. Von Berlin gibt es durchgehende Züge. Unbedingt mal in den McDonalds reinschauen – der ist mit Abstand der stylischste in Europa.

Gdynia gehört damit zu nur vier Städten weltweit, deren Zentrum konsequent im Modernismus errichtet wurde – neben Tel Aviv, Brasília und Asmara. Seit 2007 steht das gesamte Stadtzentrum unter Denkmalschutz. Im Juli 2026 entscheidet die UNESCO, ob Gdynias Modernismus-Innenstadt in die Welterbeliste aufgenommen wird.

Der historische Dreimaster im Hafen von Gdynia

Geschichte zwischen Hafen und Hoffnung

Am Hafen von Gdynia ankert eine wahres Schmuckstück: Die „Dar Pomorza“. Wie der Name „Dar“ verrät war der Dreimaster ein „Geschenk“ von Pommern an Gdynia. Das Schulschiff, gebaut 1909 in Hamburg bei Blohm & Voss als „Prinzess Eitel Friedrich” für die deutsche Handelsmarine.

Nach dem Ersten Weltkrieg ging es als Reparationsleistung an Frankreich. 1929 kaufte die polnische Seefahrtschule das Schiff. Von 1930 bis 1939 war die Dar Pomorza jährlich sechs Monate auf hoher See, darunter eine Weltumsegelung 1934/35. Heute kann man das Schiff besuchen und erfährt viel über das damalige Leben an Bord und die Geschichte des Dreimasters.

Das Emigrationsmuseum: Aufbruch in eine neue Welt

Ein paar Schritte weiter erzählt auch das Emigrationsmuseum vom Aufbruch in eine neue Welt. Es befindet sich im ehemaligen Seebahnhof von 1933. Zwischen 1815 und 1914 verließen hier über 3,5 Millionen Menschen ihr Heimat  mit der Hoffnung auf ein besseres Leben in den USA.

Um die Emigration der Polen zu verstehen, muss man ihre Geschichte kennen. 1772, 1793 und 1795 wird Polen dreimal zwischen Preußen, Russland und Österreich aufgeteilt. Nach der dritten Teilung verschwindet Polen als souveräner Staat vollständig von der Landkarte Europas. 123 Jahre lang existiert kein polnischer Staat. Erst 1918 entsteht Polen als unabhängige Republik neu.

Die didaktisch sehr gut aufbereitete Ausstellung dokumentiert die polnische Emigration vom 19. Jahrhundert bis heute. Sie ist zweisprachig beschildert, Polnisch und Englisch. Audioguides gibt es auch auf Deutsch.

Gdynia ist jung, aber trägt schwer an Geschichte

Nahe dem Bahnhof steht ein Denkmal aus vier Bronzefiguren: Eine Mutter mit zwei Kindern. Etwas weiter ein zurückgelassener Hund. Das Denkmal Gdynianom Wysiedlonym steht an dem Ort, wo die Menschen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten auf ihre Deportation warten mussten. Enthüllt wurde es 2014, zum 75. Jahrestag der ersten Vertreibungen.

Im Oktober 1939 besetzten deutsche Truppen die Stadt, die nun in „Gotenhafen“ umbenannt wurde. Die polnische Bevölkerung  wurde vertrieben, rund 55.000 Menschen verloren ihre Heimat – fast die Hälfte der Einwohner. Gdynia war eine der ersten Städte, die vom Generalplan Ost betroffen waren, der die Entfernung der polnischen Bevölkerung aus den eingegliederten Gebieten vorsah. Aber auch  für viele Deutsche war „Gotenhafen“ ein Schicksalsort.

Von hier startet das ehemalige KdF-Kreuzfahrtschiff „Wilhelm Gustloff“ am 30. Januar 1945 seine letzte Fahrt. Das Flüchtlingsschiff evakuierte als Teil der Operation Hannibal Menschen vor der Roten Armee, wurde aber von einem sowjetischen U-Boot torpediert. Der Untergang der „Wilhelm Gustloff“ mit über 9.000 Toten gilt als größte Schiffskatastrophe der Geschichte. Das Wrack liegt in der Ostsee, etwa 12 Seemeilen (ca. 22 km) vor der polnischen Küste auf Höhe von Stolpmünde (Ustka). Es ruht in einer Tiefe von etwa 42 bis 50 Metern.

Ausgezeichnet essen in Gdynia

Polens Küche wird oft auf Pierogi und Eintopf reduziert und unterschätzt, denn die polnische Gastronomie hat sich tatsächlich in kurzer Zeit auf internationales Niveau entwickelt.

Seit einigen Jahren arbeitet Polen mit dem Michelin Guide zusammen und in vielen Städten hat man sogar Gelegenheit Sterne-Küche zu genießen.

Im Restaurant Oberża 86 in Gdynia zum Beispiel werden traditionelle polnische Gerichte auf hohem handwerklichem Niveau modern interpretiert: es gibt Hering vorab, Pierogi zum Niederknien und eine perfekte Entenkeule mit der leckersten Cherrysauce. Gekrönt wird der das Essen durch saisonale Desserts wie karamellisierte Erdbeeren mit Rhabarber, Zitronenmelisse und Vanilleeis. https://oberza86.pl/

Kulinarik auf Spitzenniveau im Relais & Châteaux Hotel Quadrille

Wie im Märchen kann man im Hotel Quadrille in Gdynia Orłowo übernachten – eines der besten Hotels in der Region. Das Quadrille Hotel in Gdynia ist eine originelle Kombination aus modernem Design und einem Hauch von Geschichte. Der wunderschöne historische Park- und Palastkomplex stammt aus dem 18. Jahrhundert zurück, wurde mehrfach umgebaut und 2013 aufwendig restauriert.

Es ist das einzige Hotel für Erwachsene in Gdynia und verfügt auch über ein schönes SPA. Der von Grün umgebene Palast liegt abseits des städtischen Trubels und doch nicht weit vom Zentrum von Gdynia und Sopot entfernt. Es wurde mit zwei Michelin-Schlüssels vom Gault&Millau ausgezeichnet.

Das Meiste im Interieur und Konzept wurde von „Alice im Wunderland“ inspiriert – die Lieblingslektüre der drei Schwestern, die das Hotel gemeinsam betreiben: Iwona, Anna und Martyna Górska.  

Natürlich heißt das Restaurant des Hotel Quadrille daher Biały Królik – „Weißes Kaninchen“. Küchenchef Marcin Popielarz, Finalist beim San Pellegrino Young Chef Award 2018, kocht hier auf internationalem Spitzenniveau.

Das Tasting Menu mit elf Gängen reicht von geröstetem Brot  mit eingelegtem Safranmilchling über Heilbutt, gegrillte Rotbarbe und weiße Trüffelcremesuppe bis zur Wildschwein-Porchetta. Den Abschluss bildete ein Cheesecake, im Teller versteckt, gekrönt von einer goldenen Biene. Der Clou: Neben der Speisekarte liegt ein Spiegel, denn sie ist spiegelverkehrt geschrieben und lässt sich nur mit Hilfe des Spiegels lesen.

Steilküste mit Pier in Gdynia Orłowo

Orłowo Gdynia liegt wunderschön direkt an der Steilküste, mit einem langen Holzpier in die Ostsee und einer langen Strandpromenade. Man kann oben auf dem Kliff oder auf der Strandpromenade spazieren gehen. Der Blick geht bis in die Danziger Bucht.

Von hier aus lässt sich die Küste bis Sopot oder Danzig per Fahrrad erkunden oder man wandert entlang der Klippen zurück nach Gdynia mit dem Blick auf die Wellen der Ostsee.

Wichtige Infos

Anreise: Mit dem EC von Berlin direkt nach Gdynia in etwa 5 Stunden. Mit Flugzeug zum Beispiel von Frankfurt nach Danzig und weiter mit Zug oder Leihwagen nach Gdynia.

Ziel für Kreuzfahrten: Auch für Kreuzfahrtschiffe sind Gdynia und Danzig ein beliebtes Reiseziel. Die größeren Schiffe liegen immer in Gdynia. 2025 liefen insgesamt 57 Kreuzfahrtschiffe Danzig an und brachten über 27.000 Kreuzfahrttouristen in die Stadt.

Auch Gdynia verzeichnete 2025 damit auch einen sehr hohen Touristenverkehr, vorläufige Daten deuten auf eine Rekordsaison hin, insbesondere im Bereich des maritimen Tourismus. Gdynia wurde in der Sommersaison (Mai–September) von 1,29 Millionen Touristen besucht, was ein besseres Ergebnis ist als im Rekordjahr 2019.

Im Hafen von Gdynia gab es 52 Anläufe von Kreuzfahrtschiffen, die über 127.000 Passagiere brachten. In Hotels, die mit dem Gdynia Tourismus Büro zusammenarbeiten, wurden über 88.500 Gäste von Juni bis August 2025 registriert.

Hotels in Gdynia:

Mehr Informationen zum Jubiläumsprogramm und aktuelle Events hier 

Der Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der polnischen Tourismusorganisation in Berlin und ihren Partnern vor Ort. Einfluss auf den Inhalt wurde nicht genommen.

Fotos: Antonia Kasparek, Polen Travel, Gdynia, Hotel Quadrille

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